Burg Altena: Stammburg der Grafen von der Mark und erste Jugendherberge der Welt
Höhenburg über der Lenne, Wiege der Grafschaft Mark und Geburtsort der Jugendherbergsidee, heute mit Museen und Aufzug aus der Altstadt.
Burg Altena thront auf einem Bergsporn hoch über der Lenne und über der gleichnamigen Stadt im Märkischen Kreis. Sie ist die Stammburg der Grafen, die später als Grafen von der Mark eines der wichtigsten Territorien Westfalens regierten, und zugleich der Ort, an dem 1912 die erste ständige Jugendherberge der Welt eröffnete. Heute besuchen Sie dort mehrere Museen und erreichen die Burg bequem mit einem Erlebnisaufzug aus dem Tal.
Die Burg gehört zu den bekanntesten Zielen im Sauerland und Siegerland. Die folgenden Abschnitte erklären, was die Anlage historisch bedeutet, was Sie vor Ort sehen und wie Sie den Besuch sinnvoll planen.
Lage und erster Eindruck
Die Lenne hat sich bei Altena tief in das Sauerländer Bergland eingeschnitten. Die Stadt zieht sich schmal am Fluss entlang, und über ihr erhebt sich auf einem steilen Felsrücken die Burg. Diese Lage ist typisch für eine Spornburg: An drei Seiten fällt der Hang steil ab, nur zur Bergseite musste die Anlage besonders gesichert werden. Was eine Spornburg von anderen Höhenburgen unterscheidet, erklärt das Burgenlexikon.
Schon von der Straße im Tal sehen Sie die Mauern, Türme und Dächer, die sich in mehreren Höfen den Berg hinaufstaffeln. Der Eindruck einer geschlossenen, vollständig erhaltenen Burg ist allerdings zu einem großen Teil das Ergebnis des Wiederaufbaus im frühen 20. Jahrhundert.
Geschichte: von Altena zur Grafschaft Mark
Nach heutigem Kenntnisstand entstand die Burg im 12. Jahrhundert. Die Überlieferung verbindet ihre Gründung mit dem Haus der Grafen von Berg, aus dem sich eine Linie nach der neuen Burg an der Lenne benannte: die Grafen von Altena. Die Burg sicherte das Lennetal, einen wichtigen Verkehrsweg durch das Bergland, und war Mittelpunkt einer wachsenden Herrschaft.
Um 1200 erwarb die Familie die Burg Mark bei Hamm und verlegte ihren Schwerpunkt dorthin. Nach dieser Burg nannten sich die Grafen fortan Grafen von der Mark. Die Grafschaft Mark wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einem bedeutenden Territorium zwischen Ruhr und Lippe, das später mit dem Herzogtum Kleve vereinigt wurde und schließlich an Brandenburg-Preußen kam.
Altena blieb ein Verwaltungssitz, verlor aber mit der Zeit seine militärische Bedeutung. In der frühen Neuzeit verfiel die Anlage zunehmend, Teile wurden für andere Zwecke genutzt oder abgetragen. Im 19. Jahrhundert war von der einstigen Grafenburg nur noch ein Teil erhalten.
Der Wiederaufbau im 20. Jahrhundert
Den Anstoß zum Wiederaufbau gab der Landrat Fritz Thomée. Ab 1907 wurde die Burg in mehreren Jahren nach historischen Vorbildern und Vorstellungen der Zeit neu errichtet und ausgebaut. Das Ergebnis ist keine originalgetreue Rekonstruktion eines bestimmten mittelalterlichen Zustands, sondern ein Bau, der zeigt, wie man sich um 1900 eine Burg vorstellte. Für Besucher ist das kein Nachteil: Die Anlage vermittelt anschaulich, wie Höfe, Tore, Wehrgänge und Türme zusammenwirken.
Die erste Jugendherberge der Welt
Der Lehrer Richard Schirrmann wanderte mit seinen Schulklassen durch das Sauerland und suchte dafür günstige, einfache Unterkünfte. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee eines Netzes von Herbergen, in denen junge Menschen auf Wanderungen übernachten können. 1912 eröffnete auf der wieder aufgebauten Burg Altena eine Jugendherberge, die als erste ständige Jugendherberge der Welt gilt. Aus der Idee entstand das Deutsche Jugendherbergswerk und später eine weltweite Bewegung.
Im Museum sehen Sie die historischen Räume dieser ersten Herberge, eingerichtet wie in ihrer Anfangszeit: einfache Schlafsäle mit Massenlagern und ein Tagesraum. Der Kontrast zu heutigen Jugendherbergen ist groß und für Schulklassen wie Erwachsene gleichermaßen interessant. Wenn Sie selbst in einer Burg übernachten möchten, finden Sie Möglichkeiten in NRW im Ratgeber Übernachten in der Burg.
Was Sie heute auf der Burg sehen
Die Burg wird vom Märkischen Kreis als Museumsstandort betrieben. Die Ausstellungen verteilen sich auf mehrere Gebäude rund um die Burghöfe.
| Bereich | Was Sie erwartet |
|---|---|
| Museum der Grafschaft Mark | Geschichte der Grafen und der Region, Waffen, Rüstungen, Alltagsgegenstände |
| Weltjugendherberge | Historische Räume der ersten Jugendherberge, Geschichte der Jugendherbergsbewegung |
| Weitere Ausstellungen | Themen zur Wander- und Regionalgeschichte, Sonderausstellungen nach Programm |
| Burghöfe und Mauern | Blick über das Lennetal und die Altstadt |
Zu den Museen Burg Altena zählt auch das Deutsche Drahtmuseum unten in der Stadt. Es erzählt, wie Altena mit Drahtzieherei und Kleineisenindustrie groß wurde. Wer verstehen möchte, warum im engen Lennetal überhaupt eine so dichte Besiedlung entstand, sollte beide Teile verbinden.
Welche Ausstellungen aktuell geöffnet sind, ob Sonderausstellungen laufen und welche Eintrittspreise gelten, ändert sich. Prüfen Sie diese Angaben vor dem Besuch beim Betreiber.
Der Erlebnisaufzug
Seit einigen Jahren müssen Sie den steilen Burgberg nicht mehr zu Fuß erklimmen. Am Lenneufer, nahe der Altstadt, beginnt ein Stollen, der waagerecht in den Fels führt. Unterwegs erzählen Inszenierungen von Sagen und Geschichte der Burg. Am Ende des Stollens bringt Sie ein Aufzug hinauf in die Burganlage.
Für Familien mit Kinderwagen, ältere Menschen und alle, die nicht gut zu Fuß sind, ist das ein großer Gewinn. Beachten Sie aber, dass auch innerhalb der Burg Treppen, Kopfsteinpflaster und Höhenunterschiede zwischen den Höfen zu überwinden sind. Fragen Sie im Zweifel vorher nach, welche Bereiche stufenlos erreichbar sind.
Besuch planen
Anreise: Altena liegt an der Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Hagen und Siegen. Vom Bahnhof erreichen Sie den Aufzug-Eingang zu Fuß. Mit dem Auto fahren Sie über die Bundesstraße durch das Lennetal; Parkmöglichkeiten gibt es in der Stadt und an der Burgzufahrt.
Zeitbedarf: Rechnen Sie für Museen und Burghöfe mit zwei bis drei Stunden. Mit Drahtmuseum und Altstadt wird ein Tagesausflug daraus.
Mit Kindern: Rüstungen, Burghöfe, die Schlafsäle der alten Jugendherberge und der Stollen mit Aufzug kommen bei Kindern meist gut an. Weitere familienfreundliche Ziele finden Sie unter Burgen mit Kindern in NRW.
Jahreszeit: Die Museen sind in der Regel ganzjährig geöffnet, Öffnungstage können aber saisonal wechseln. Besonders schön ist der Blick über das Tal im Herbst, wenn die Wälder an den Hängen sich färben.
Checkliste vor dem Besuch
- Aktuelle Öffnungszeiten von Museen und Aufzug beim Märkischen Kreis prüfen
- Eintritt und eventuelle Kombitickets mit dem Drahtmuseum vergleichen
- Bequeme Schuhe für Kopfsteinpflaster und Treppen einpacken
- Bei Gruppen und Schulklassen Führungen rechtzeitig anfragen
- Bei Bedarf Informationen zur Barrierefreiheit einholen
Ausflüge in der Umgebung
Das Lennetal bietet sich für eine Burgen-Tour an. Flussaufwärts liegt bei Plettenberg die Ruine Schwarzenberg, weiter südlich im Kreis Olpe steht Burg Bilstein, die ebenfalls als Jugendherberge genutzt wird. Von dort ist es nicht weit nach Attendorn mit Burg Schnellenberg und dem Biggesee.
Wer lieber Richtung Ruhrgebiet fährt, erreicht über Hagen das Schloss Hohenlimburg über dem unteren Lennetal. Einen Überblick über alle Anlagen der Region gibt die Seite Burgen im Sauerland und Siegerland, und das Gesamtverzeichnis zeigt Burgen in ganz NRW.
Warum sich der Besuch lohnt
Burg Altena verbindet drei Geschichten an einem Ort: die mittelalterliche Herrschaftsbildung im Sauerland, die Burgenbegeisterung um 1900 und die Entstehung einer Idee, die das Reisen junger Menschen weltweit verändert hat. Dazu kommen die eindrucksvolle Lage über dem Fluss und die gute Erreichbarkeit mit Bahn und Aufzug. Kaum eine andere Burg in NRW eignet sich so gut für einen Ausflug, bei dem Erwachsene und Kinder gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.
Fragen und Antworten
- Kann man auf Burg Altena übernachten?
- Burg Altena ist eng mit der Jugendherbergsidee verbunden, und das Deutsche Jugendherbergswerk führt dort ein Übernachtungsangebot. Ob das Haus in Ihrem Zeitraum geöffnet ist und für Einzelgäste oder nur für Gruppen gebucht werden kann, erfahren Sie direkt beim Jugendherbergswerk. Die historische Jugendherberge von 1912 ist dagegen Teil des Museums.
- Wie kommt man ohne steilen Aufstieg auf Burg Altena?
- Über den Erlebnisaufzug. Sein Eingang liegt unten im Tal an der Lenneseite der Altstadt. Ein Stollen führt in den Berg, von dort bringt Sie der Aufzug hinauf in die Burg. Alternativ erreichen Sie die Burg zu Fuß über steile Wege und Treppen oder mit dem Auto über die Zufahrtsstraße.
- Wie viel Zeit sollte man für Burg Altena einplanen?
- Für Museen, Burghof und Aussicht sollten Sie zwei bis drei Stunden rechnen. Wer zusätzlich das Deutsche Drahtmuseum in der Stadt besucht oder durch die Altstadt bummelt, füllt problemlos einen ganzen Tag.
- Warum heißen die Grafen von der Mark nicht Grafen von Altena?
- Sie hießen zunächst so. Um 1200 verlagerte die Familie ihren Schwerpunkt auf die Burg Mark bei Hamm und nannte sich fortan nach dieser Burg. Altena blieb jedoch ein wichtiger Sitz der Grafschaft, und die Burg gilt bis heute als ihre Wiege.
Weiterlesen
- Übernachten in der Burg
Von der Jugendherberge hinter dicken Mauern bis zum Hotel im Wasserschloss: Möglichkeiten, Unterschiede und Fragen vor der Buchung.
- Burgen mit Kindern
Welche Burgen sich für Familien eignen, was Kinder begeistert und wie der Ausflug ohne Stress gelingt.
- Burg Bilstein
Eine Höhenburg auf dem Felsen über dem Dorf Bilstein, in der Sie heute als Gast der Jugendherberge übernachten können.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Öffnungszeiten und Eintritt ändern sich, bitte vor dem Besuch beim Betreiber prüfen. Fehler gefunden? Hinweis an die Redaktion.