Schloss Moyland am Niederrhein: Schloss und Museum
Neugotisches Wasserschloss in Bedburg-Hau mit Kunstmuseum, einer der größten Sammlungen zu Joseph Beuys und einem Park mit Gärten.
Schloss Moyland ist ein Wasserschloss in Bedburg-Hau zwischen Kleve und Kalkar am unteren Niederrhein. Die Anlage hat einen mittelalterlichen Kern und erhielt im 19. Jahrhundert ihr heutiges neugotisches Aussehen mit Türmen, Zinnen und Spitzbögen. Seit 1997 ist Moyland ein Kunstmuseum, dessen Sammlung vor allem durch Werke von Joseph Beuys bekannt ist. Zum Besuch gehört ein Park mit alten Bäumen, Wasserflächen und Gärten.
Dieser Beitrag erklärt die Geschichte des Schlosses, was Sie im Museum erwartet und wie Sie den Besuch mit anderen Zielen am Niederrhein verbinden. Die übrigen Anlagen der Region stehen auf der Seite Burgen und Schlösser am Niederrhein.
Vom Rittersitz zum Märchenschloss
Moyland begann als befestigter Sitz im flachen Land des Herzogtums Kleve, geschützt durch Wasser, wie es am Niederrhein üblich war. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Anlage mehrfach umgebaut und erweitert.
Ende des 17. Jahrhunderts kam Moyland in den Besitz der brandenburgischen Kurfürsten, denen das Herzogtum Kleve seit dem frühen 17. Jahrhundert gehörte. Damit war das Schloss zeitweise ein Besitz des Hauses Hohenzollern. Eine viel erzählte Episode stammt aus dieser Zeit: Im Jahr 1740 sollen sich der junge preußische König Friedrich II. und der französische Philosoph Voltaire in Moyland zum ersten Mal persönlich begegnet sein.
Im 18. Jahrhundert ging das Schloss an die Familie von Steengracht über. Im 19. Jahrhundert ließ sie es im Stil der Neugotik umbauen. Den Entwurf lieferte Ernst Friedrich Zwirner, der als Dombaumeister in Köln die Vollendung des Kölner Doms leitete. Aus der Wasserburg wurde so ein romantisches Schloss, das mittelalterliche Formen aufgreift, aber ganz dem Geschmack seiner Zeit entspricht.
Zerstörung und neues Leben
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Moyland schwer beschädigt, als die Kämpfe den Niederrhein erreichten. Danach stand das Schloss über Jahrzehnte als Ruine in der Landschaft.
Die Wende kam mit einer Stiftung, an der das Land Nordrhein-Westfalen, der Kreis Kleve, die Gemeinde und die Sammler Hans und Franz Joseph van der Grinten beteiligt waren. Das Schloss wurde wiederhergestellt und 1997 als Museum eröffnet. Damit fand eine der bedeutendsten Privatsammlungen des Niederrheins einen Ort, und eine Ruine wurde zu einem lebendigen Kulturort.
Was Sie im Museum sehen
Das Museum Schloss Moyland verbindet ein historisches Gebäude mit Kunst vor allem des 19., 20. und 21. Jahrhunderts.
- Joseph Beuys: Die Sammlung umfasst Zeichnungen, Objekte, Druckgrafik und Dokumente des Künstlers, der in Kleve aufwuchs. Hinzu kommt ein Archiv, das Leben und Werk von Beuys dokumentiert und von Forschern genutzt wird.
- Weitere Kunst: Die Brüder van der Grinten sammelten auch Werke anderer Künstler, darunter Zeichnungen und Grafik des 19. und 20. Jahrhunderts.
- Wechselausstellungen: Neben der Sammlung zeigt das Museum Sonderausstellungen, deren Themen wechseln.
- Das Gebäude: Treppen, Türme und Räume des neugotischen Schlosses sind Teil des Erlebnisses. Moderne Kunst in historischen Räumen schafft einen reizvollen Kontrast.
Wer mit Beuys wenig anfangen kann, sollte sich nicht abschrecken lassen. Führungen und Texte im Museum helfen beim Einstieg. Viele Besucher kommen auch wegen der Architektur und des Parks.
Joseph Beuys in Kürze
Joseph Beuys wurde 1921 in Krefeld geboren und wuchs in Kleve auf. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und lehrte dort später als Professor. Beuys gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er mit einem erweiterten Kunstbegriff: Für ihn konnte jeder Mensch gestaltend wirken, und auch Gesellschaft und Politik verstand er als Material der Kunst. Dafür prägte er den Begriff der sozialen Plastik. In seinen Werken verwendete er häufig Materialien wie Fett und Filz, dazu Zeichnungen, Aktionen und Installationen. Beuys starb 1986 in Düsseldorf.
Die Verbindung zu Moyland entstand über die Brüder van der Grinten. Sie lernten Beuys früh kennen, kauften und sammelten über Jahrzehnte seine Arbeiten, lange bevor er international berühmt war. Deshalb besitzt das Museum besonders viele frühe Zeichnungen und Arbeiten, die zeigen, wie sich sein Werk entwickelte. Wer Beuys nur von seinen bekannten Installationen kennt, entdeckt in Moyland eine stillere, zeichnerische Seite des Künstlers.
Der Park
Rund um das Schloss liegt ein Park mit altem Baumbestand, Alleen, Wasserflächen und Gartenbereichen. Mit der Wiederherstellung des Schlosses wurden auch Teile der Gärten neu angelegt. Ein Spaziergang um den Wassergraben zeigt das Schloss von allen Seiten, besonders schön, wenn sich Türme und Mauern im Wasser spiegeln. Im Park sind zudem Skulpturen aufgestellt, die das Museum nach draußen erweitern.
Gärten und Parks anderer Schlösser im Land stellt der Ratgeber Schlossparks in NRW vor.
Den Besuch planen
| Thema | Hinweis |
|---|---|
| Lage | Bedburg-Hau, zwischen Kleve und Kalkar im Kreis Kleve. |
| Anreise | Am einfachsten mit dem Auto. Mit Bus oder Fahrrad aus Kleve gut machbar; der Niederrhein ist flach und hat viele Radwege. |
| Zeitbedarf | Museum und Park zwei bis drei Stunden, mit Café und Spaziergang ein halber Tag. |
| Öffnungszeiten | Das Museum hat feste Öffnungstage und ist an bestimmten Tagen geschlossen. Aktuelle Zeiten beim Museum prüfen. |
| Barrierefreiheit | Historische Bereiche haben Stufen. Welche Räume stufenlos erreichbar sind, beim Museum erfragen. |
Tipps:
- Kombinieren Sie Moyland mit Kleve. Die Schwanenburg und die historischen Gärten der Stadt liegen wenige Kilometer entfernt.
- Kalkar lohnt mit seinem mittelalterlichen Marktplatz und der Kirche St. Nicolai, die für ihre geschnitzten Altäre bekannt ist.
- Nehmen Sie das Fahrrad. Zwischen Kleve, Moyland und Kalkar führen ruhige Wege durch eine Landschaft mit Feldern, Höfen und Kopfweiden.
- Planen Sie Pausen ein. Ob das Museumscafé geöffnet hat, steht in der Regel bei den Öffnungszeiten des Museums.
Mit dem Rad von Kleve nach Kalkar
Moyland liegt ideal für eine Radtour durch den unteren Niederrhein. Ein Vorschlag für einen Tag:
- Kleve: Start an der Schwanenburg, dem Sitz der früheren Grafen und Herzöge von Kleve. Von dort durch die historischen Gartenanlagen am Rand der Stadt.
- Richtung Moyland: Auf ruhigen Wegen durch Felder und an Höfen vorbei nach Bedburg-Hau. Besuch von Museum und Park.
- Kalkar: Weiter in die kleine Stadt mit Marktplatz, Rathaus und der Kirche St. Nicolai.
- Rückweg: Mit dem Rad zurück nach Kleve oder per Bus, je nach Kondition.
Die Strecke ist flach, die Abstände zwischen den Orten sind überschaubar. Planen Sie wegen Museum und Pausen dennoch einen ganzen Tag ein und prüfen Sie vorher die Öffnungszeiten.
Wer nicht radeln möchte, erreicht die drei Orte auch gut mit dem Auto. Dann bleibt mehr Zeit für die Museen in Moyland und für einen Bummel durch Kleve oder Kalkar.
Moyland im Vergleich
Moyland zeigt eine Entwicklung, die am Niederrhein häufig ist: Eine mittelalterliche Wasserburg wird zum Schloss, im 19. Jahrhundert romantisch überformt und im 20. Jahrhundert einer neuen Nutzung zugeführt. Ähnliche Wege gingen viele Anlagen in der Region, etwa Schloss Dyck in Jüchen, das heute ganz der Gartenkunst gewidmet ist, oder Burg Linn in Krefeld mit ihrem Museum.
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Fragen und Antworten
- Warum ist Schloss Moyland für Joseph Beuys bekannt?
- Das Museum zeigt die Sammlung der Brüder van der Grinten aus Kranenburg, die Beuys früh förderten und über Jahrzehnte Werke von ihm sammelten. Dazu gehört ein Archiv zu Leben und Werk. Beuys wuchs in Kleve auf, die Verbindung zum Niederrhein ist also eng.
- Muss man sich für moderne Kunst interessieren, um Moyland zu besuchen?
- Nicht unbedingt. Das Schloss selbst mit seiner neugotischen Architektur, den Türmen und dem Wassergraben ist sehenswert, und der Park lädt auch ohne Museumsbesuch zum Spazierengehen ein. Wer neugierig ist, findet in den Ausstellungen einen guten Einstieg in die Kunst des 20. Jahrhunderts.
- Wie lange dauert ein Besuch in Schloss Moyland?
- Für Museum und Park sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen. Mit Café und einem ausgedehnten Spaziergang durch die Gärten wird schnell ein halber Tag daraus. Ein Abstecher nach Kleve oder Kalkar lässt sich gut anschließen.
- Ist Schloss Moyland für Kinder geeignet?
- Der Park mit Wassergraben und Wegen gefällt auch Kindern. Für das Museum lohnt es sich, nach Familienangeboten zu fragen, weil moderne Kunst mit Begleitung leichter zugänglich wird. Die Programme wechseln, Details nennt das Museum.
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